Die Mittelschlauen sind die Gefahr

Digitale Transformation ist in aller Munde. Bei unseren quantitativen Fondsmanagern der ETFs und Krisenalpha-Fonds, John Bogle und William Dunn, ist sie das schon seit rund 50 Jahren.

Wie kann die überfällige digitale Transformation komplexer realer Systeme auch anderswo gelingen? Leider nicht durch die 1001. Systemanalyse-Lähmung der meisten intelligenten Systemtheoretiker. Ihre verwirrende Verkomplizierung wird kaum verstanden und befolgt.

Sie sind oft in etwas stecken geblieben, das man die „Midwit-Falle“ nennt: Das ist eine IQ-Glockenkurve. Darin scheint die „dumme“ und „smarte“ Lösung gleich simpel zu sein. Während die scheinbar „einzige“ intelligente Lösung mit der höchsten Komplexität die ahnungslose ist. Das ist ein lustiges und effektives Mem(e), weil es oft wahr ist.

Das Zitat vom US-Arzt und -Schriftsteller im 19. Jahrhundert, Oliver Wendell Holmes, besagt jedoch, dass beide einfachen Lösungen nur scheinbar identisch sind:

„For the simplicity on this side of complexity, I wouldn’t give you a fig. But for the simplicity on the other side of complexity, for that I would give you anything I have.“

Der Unterschied erscheint oft kontraintuitiv, widersprüchlich oder sogar paradox. Doch die smarte Lösung ist die eingängige Verdichtung von tiefem Verständnis für komplexe Systeme und von viel Erfahrung aus Trial & Error-Anwendungen in kritischen Situationen, tief verinnerlicht in einer gut trainierten Intuition.

Effektive Menschen, die wirklich gut in ihrem Job sind, wenden diese einfachen Heuristiken bevorzugt an. Wie der deutsche Psychologe, Gerd Gigerenzer, überzeugend dargelegt hat, sind einfache Heuristiken „out of sample“ oft robuster als komplexe Algorithmen, KI und Big Data.

Wenn man komplexe Systeme transformieren möchte, die in einem fragilen Zustand feststecken, wie die meisten von uns geschaffenen, sind meiner Erfahrung nach einfache antifragile Heuristiken von Nassim Taleb am effektivsten und nachhaltigsten. Ihre Anwendung muss jedoch mit der eigenen „skin in the game“ erfolgen, um voll wirksam zu sein. Wie diese hier:

„How do you innovate? First, try to get in trouble.“

Das heißt: Den Boden unter den Füßen zu verlieren und die Brücke zurück in den verrotteten, fragilen Zustand niederzubrennen.

Das ist uns mit Democratic Alpha durch den Shitstorm in fast allen deutschsprachigen Finanzblogs und -Foren seit wenigen Tagen nach unserem Go Live ja auch gleich widerfahren. Aber vermeintlich schlechte Nachrichten verbreiten sich viel besser als andere.

Daher hat es antifragil gewirkt und uns wesentlich schneller und weiter bekannt gemacht als ohne das. Wenn sich Democratic Alpha dann bald wesentlich besser entwickeln sollte als von den meisten erwartet, kann der Shitstorm wahrhaft antifragil ins Gegenteil umschlagen…

Nur so kann man dem Umfeld jedoch klarmachen, dass man es wirklich ernst meint. Diejenigen, die nur am lautesten von Transformation reden aber sich nicht ins Feuer begeben, wollen sie oft am wenigsten.

Wir setzen Antifragilität bekanntlich hier außerdem gezielt ein, um von Finanzkrisen einschließlich hoher Inflation zu profitieren. Mit Krisenalpha können Aktienportfolios dagegen wesentlich besser diversifiziert werden, als traditionell mittels Staatsanleihen und Gold.

Der große Unterschied zwischen den beiden ähnlich einfachen Lösungen „Buy and hold index funds“ im Titelbild ist übrigens, dass die „dumme“ einfache Lösung links von der Midwit-Falle nur Aktienindexfonds / ETFs sein können. Während die „intelligente“ einfache Lösung rechts davon auch Krisenalpha-Indexfonds umfassen sollte, die aus reinen trendfolgenden Managed Futures und / oder Long-Volatility-Optionsfonds bestehen. Weil sie durch hohe Inflation und Finanzkrisen gewinnen können.

Die kombinierte „simplicity on the other side of complexity“ bietet also eine wirklich smarte Diversifizierung der übermäßigen Crash- und Inflationsrisiken von Aktienindexfonds. Indexfonds mit Krisenalpha gibt es bislang allerdings nur in den USA. Wir versuchen daher, die Krisenalpha-Leitindizes, den SG Trend und den Eurekahedge Long Volatility, mit verfügbaren Investmentfonds so eng wie möglich zu replizieren, um die Zuverlässigkeit unseres Krisenalphas zu maximieren.

Wenn Sie mehr über einfache antifragile Heuristiken für andere schwierige Herausforderungen der Transformation wissen möchten, können Sie diese in meiner kostenlosen, unterhaltsamen Online-Session „What the Hack Is Anti-Fragile?“ kennenlernen. Gerne biete ich sie auch als Speaker bei Ihrer Veranstaltung oder Organisation an und berate dazu nach Bedarf.

Wenn Sie noch mehr wissen und anwenden wollen, fühlen sich herzlich eingeladen, meiner Community of Practice Friends of Antifragility zu folgen.

PS: Dieser Artikel wurde durch den letzten Newsletter „Interesting Times“ meines ebenfalls durch und durch antifragilen Freundes Taylor Pearson von Mutiny Funds in den USA inspiriert:

– The Midwit Trap
– Wolves in Yellowstone National Park
– Market Tremors & Tail Hedging

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